Rotkohl in Mischkultur: Welche Nachbarn passen und welche nicht
- Salat und Spinat nutzen das Rotkohlbeet als Vor- oder Zwischenkultur, solange der Kohl noch jung ist.
- Buschbohnen, Erbsen, Sellerie und Tomaten gelten bei nahen Kohl-Verwandten als Partner und kommen auch neben Rotkohl infrage.
- Andere Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola und Kresse sind Kreuzblütler und keine guten Lückenfüller im Rotkohlbeet.
- Nachbarpflanzen ersetzen kein Kulturschutznetz, denn günstige Nachbarschaftswirkungen lassen sich schwer nachweisen.

Rotkohl steht lange im Beet und wird breit. Solange die Pflanzen jung sind, bleibt zwischen ihnen viel offene Erde, die du mit passenden Nachbarn nutzen kannst. Wählst du die falschen, holst du dir Verwandte des Kohls ins Beet oder Kulturen, die ihm später Platz und Licht nehmen.
Ich plane die Nachbarn für meinen Rotkohl deshalb nach drei Fragen. Wie lange steht der Partner im Beet? Gehört er zu einer anderen Pflanzenfamilie? Nimmt er dem Kohl Licht? Mischkultur kann dich dabei unterstützen, eine Garantie für gesunde Köpfe ist sie nicht.
Gute und schlechte Nachbarn für Rotkohl auf einen Blick
Die Tabelle zeigt, welche Pflanzen neben Rotkohl passen und worauf ich jeweils achte. Sie ordnet nach Platz, Familie und Zeitpunkt, denn eine sichere Schutzwirkung kann dir keine Nachbarliste versprechen.
| Nachbar | Neben Rotkohl | Worauf ich achte |
|---|---|---|
| Salat | gut | als Vor- oder ZwischenkulturEine Zwischenkultur ist eine schnell wachsende Gemüsekultur, die gleichzeitig mit einer langsam wachsenden Hauptkultur auf dem Beet steht, meist in Reihen dazwischen. Sie ist geerntet, bevor die Hauptkultur den ganzen Platz braucht., geerntet vor dem Reihenschluss |
| Spinat | gut als Vorkultur | vor Rotkohl, der erst ab Juni ins Freiland kommt |
| Buschbohnen, Erbsen | gut | eigene Reihe; HülsenfrüchteHülsenfrüchte sind die in einer Hülse reifenden Samen von Schmetterlingsblütlern wie Erbse, Bohne und Linse; die Pflanzen heißen Hülsenfrüchtler oder Leguminosen. Die meisten binden mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft. taugen auch als VorfruchtDie Vorfrucht ist die Kultur, die vor der aktuellen Kultur auf derselben Fläche stand, in der Fruchtfolge meist im Vorjahr. Sie kann Boden, Nährstoffe und Krankheitsdruck für die nachfolgende Kultur positiv oder negativ beeinflussen. |
| Sellerie | gut | eigene Reihe neben den Kohlreihen |
| Tomaten | gut | an die Nordseite, damit der Kohl sonnig bleibt |
| Zwiebeln, Knoblauch | möglich | Schutzwirkung nachgesagt, schwer nachzuweisen |
| Thymian, Salbei, Ringelblume, Dill | möglich | an den Beetrand, Blüten ungefüllt |
| Weißkohl, Blumenkohl, Brokkoli und andere Kohlarten | kein Partner | gleiche Familie, gleiche Schädlinge |
| Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse, Senf | kein Partner | KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen., zählen bei der Anbaupause mit |
| Kürbis, Zucchini | eher nicht | beanspruchen selbst viel Platz |
Weitere Paare kannst du im Mischkultur-Werkzeug nachschlagen.
Was Mischkultur beim Rotkohl leisten kann
Vor allem gewinnst du Platz. Rotkohl braucht viel Raum, füllt ihn aber erst nach und nach aus. In der Zwischenzeit können Salat oder Spinat auf derselben Fläche wachsen und geerntet werden. Blühende Begleiter am Beetrand können zusätzlich Nützlinge versorgen, denn ungefüllte Blüten bieten ihnen Nahrung.
Einen verlässlichen Schutz liefern Nachbarn dagegen nicht. Günstige Wirkungen zwischen Gemüsearten lassen sich schwer nachweisen, und Erfahrungsberichte widersprechen sich teilweise. Wie Mischkultur bei Kohl grundsätzlich funktioniert, steht im Kohl-Ratgeber im Kapitel Fruchtfolge und Mischkultur.
Salat und Spinat, solange der Kohl klein ist
Salat passt gut zu Rotkohl, weil er das Beet nur kurz belegt. Frühsalat kann zwischen jungen Kohlpflanzen stehen, wenn du ihn erntest, bevor der Kohl die Reihen schließt. Das gilt für jede kurzlebige Zwischenkultur: Sie muss vom Beet, bevor sie die länger stehende HauptkulturDie Hauptkultur ist die Gemüseart, die im Gartenjahr am längsten auf einem Beet steht, zum Beispiel Tomaten. Nach ihr richtet sich die Beetplanung: Vor-, Nach- und Zwischenkulturen werden um sie herum eingeplant. bedrängt.
Salat und Spinat eignen sich außerdem als Vorkultur. Pflanzt du deinen Rotkohl erst ab Juni ins Freiland, kann das Beet vorher eine frühe Ernte tragen. Danach räumst du die Fläche ab und setzt den Kohl.
Den Salat stehen lassen, weil er noch gut aussieht. Sobald die Blätter des Rotkohls über die Reihe greifen, bedrängt die Zwischenkultur den Kohl. Ernte sie deshalb ab, bevor sich die Reihen schließen.
Bohnen, Erbsen und Sellerie als Nachbarn in der Reihe
Blumenkohl und Kohlrabi sind nahe Verwandte des Rotkohls. Für beide werden Bohnen, Sellerie und Salat als Mischkulturpartner genannt, für Blumenkohl zusätzlich Erbsen und Tomaten. Ich orientiere mich an diesen Listen und setze Buschbohnen, Erbsen oder Sellerie in eine eigene Reihe neben den Kohl. So behält jede Kultur ihren Platz, auch wenn der Rotkohl in die Breite geht.
Dass Bohnen dem Rotkohl nebenbei Stickstoff liefern, würde ich nicht fest einplanen. Verlässlicher nutzt du Hülsenfrüchte als Vorfrucht, denn sie hinterlassen Stickstoff im Boden. Im Fruchtfolge-Ratgeber liest du, wie du Vorfrüchte, Anbaupausen und Gründüngung beim Rotkohl planst.
Tomaten, Zwiebeln und Kräuter: beliebt, aber ohne Wirkungsgarantie
Tomaten kommen neben Rotkohl infrage, weil sie für Blumenkohl als Partner gelten. Ihr Geruch soll Kohlweißlinge verwirren, sodass die Falter den Kohl schlechter finden. Ob das in deinem Beet wirkt, lässt sich schwer nachweisen. Ich setze Tomaten an die Nordseite des Beets, damit sie dem Rotkohl kein Licht nehmen.
Zwiebeln und Knoblauch stehen in vielen Nachbarlisten für Kohl, weil ihr Geruch Schädlinge fernhalten soll. Aus demselben Grund werden Duftkräuter wie Thymian und Salbei empfohlen. Ich setze sie an den Beetrand, wo sie dem Kohl nicht im Weg stehen. Ringelblumen mit ungefüllten Blüten und Dill säe ich ebenfalls an den Rand.
Welche Nachbarn nicht zu Rotkohl passen
Als Mischkulturpartner fallen andere Kohlarten aus, ebenso die übrigen Kreuzblütler wie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. Diese Verwandtschaft kann die KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. begünstigen, und alle zählen bei der Anbaupause mit. Kürbis und Zucchini meide ich als direkte Nachbarn, weil sie selbst viel Platz beanspruchen. Die Hintergründe zur Kohlfamilie im Beet findest du im Kohl-Ratgeber im Kapitel Fruchtfolge und Mischkultur.
So planst du das Mischbeet mit Rotkohl
Rotkohl setzt du in Reihen, mit 40 bis 50 cm Abstand in der Reihe und 50 bis 60 cm Reihenabstand. Ausgewachsen wird er 50 bis 60 cm breit und 30 bis 60 cm hoch. Von der Pflanzung bis zur Reife braucht er je nach Sorte und Witterung 80 bis 160 Tage.
Die Wuchsbreite des Rotkohls entspricht damit seinem Reihenabstand, also schließen sich die Reihen, wenn der Kohl ausgewachsen ist. Zwischenkulturen haben zwischen den Kohlreihen deshalb nur Platz, solange der Kohl jung ist. Dauerhafte Partner wie Sellerie oder Buschbohnen brauchen eine eigene Reihe, die du zusätzlich einplanst.
Bei mir sieht ein Mischbeet so aus: In der Mitte stehen zwei Reihen Rotkohl, dazwischen wächst anfangs Salat. An der Südseite folgt eine Reihe Buschbohnen oder Sellerie, an der Nordseite stehen die Tomaten. Kräuter und Ringelblumen kommen an die Beetenden. Den Plan zeichne ich vorher im Beetplaner, damit Reihen und Abstände zusammenpassen.
Vor dem Pflanzen gehe ich diese Punkte durch.
- Partner stammen aus anderen Familien als den Kreuzblütlern.
- Jede Zwischenkultur hat einen Erntetermin vor dem Reihenschluss.
- Hohe Nachbarn stehen an der Nordseite.
- Dauerhafte Partner bekommen eine eigene Reihe zusätzlich zum Reihenabstand.
- Die Netzfläche ist so geplant, dass niedrige Partner mit darunter passen.
Für andere Kohlarten gibt es eigene Nachbarlisten: die passenden Partner für Blumenkohl, eine Anleitung, wie du Grünkohl in Mischkultur anlegst, und eine Übersicht, welche Nachbarn Chinakohl verträgt.
Wann Rotkohl und Partner ins Beet kommen
Bei Kopfkohl richten sich Aussaat, Pflanzung und Ernte nach der Sortengruppe, also nach früher, sommerlicher oder später Sorte. Gesät wird Rotkohl von April bis Mai. Kommt er erst ab Juni ins Freiland, haben Salat oder Spinat vorher Zeit für eine frühe Ernte auf demselben Beet. Alle Termine hast du mit dem Kohl-Aussaatkalender zum Ausdrucken auf einem Blatt.
Ich setze den Salat gleich nach dem Rotkohl in die Lücken und ernte ihn Kopf für Kopf, sobald er fertig ist. Dabei schaue ich jedes Mal auf die Kohlblätter. Greifen sie fast über die Reihe, kommt der letzte Salat heraus.
Standort, Pflege und Schutz im Mischbeet
Standort: Rotkohl wächst am liebsten sonnig, Halbschatten verträgt er auch. Sein Boden soll tiefgründig, gut durchlässig und humusreich sein. Mehr dazu steht im Kohl-Ratgeber unter Standort und Boden.
Düngen: Bei der Pflanzvorbereitung arbeite ich Kompost ein. Kompost allein deckt die Stickstoffversorgung von Gemüse aber nicht, und dass Nachbarn Dünger sparen, lässt sich nicht verlässlich einplanen. Wie du Kohl nach Art und Verwendungszweck düngst, erklärt das Kapitel Düngen im Kohl-Ratgeber.
Gießen: In Hitzeperioden wässere ich den Rotkohl regelmäßig, am liebsten abends. Gemüse gießt du besser seltener und gründlich als täglich in kleinen Mengen; die Einzelheiten stehen im Kapitel Gießen.
Schutz vor Schädlingen: Ab April sehe ich regelmäßig nach den Jungpflanzen, weil dann meist die überwinterten KohlerdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. erscheinen. Ein KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. mit einer Maschenweite unter 1 mm kommt direkt nach dem Pflanzen auf und bleibt bis zur Ernte an den Rändern dicht. Salat passt mit darunter, die Tomaten stehen außerhalb; wie du vorbeugst, kontrollierst und eingreifst, erklärt das Kapitel Schädlinge und Pflanzenschutz.
Ernte: Im Herbst- und Winteranbau erntest du Rotkohl ab dem Spätherbst bis in den Winter, Wintersorten können auf dem Beet bleiben. Winterformen bilden festere Köpfe und lagern besser als Sommerformen; die Erntezeiten je Art findest du im Kapitel Ernte und Lagerung.




