Gemüse · Salate & Blattgemüse · Anbau

Radicchio in Mischkultur: gute Nachbarn und wie du das Beet planst

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 8 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Pflücksalat, Spinat und Sommerportulak füllen die Lücken zwischen den Radicchio-Köpfen.
  • Blühender Dill, Kerbel, Ringelblume oder Steinkraut füttern Schwebfliegen, deren Larven Blattläuse fressen.
  • Feldsalat und Winterportulak übernehmen im Herbst den Platz der geernteten Köpfe.
  • Endivie, Zuckerhut und Chicorée zählen in der Fruchtfolge mit: Zichorien nur alle 3 bis 4 Jahre aufs selbe Beet.
  • Radicchio braucht volle Sonne, hohe Partner wie Stangenbohnen oder Mais gehören an die Nordseite.
  • Mischkultur kann Blattlausbefall etwas bremsen, garantieren kann sie nichts.
Mehrere Radicchio-Köpfe wachsen in einem Beet im Freiland.
Foto: Goldlocki · CC BY-SA 3.0 · Ausschnitt · Quelle ↗

Radicchio steht lange im Beet: Nach dem Pflanzen vergehen etwa 3 bis 4 Monate bis zur Erntereife, späte Sätze bleiben bis in den November draußen. Gerade in den ersten Wochen liegt zwischen den jungen Köpfen viel Boden brach. Ich plane diesen Platz deshalb von Anfang an mit ein: für schnelle Blattsalate, für Blüten, die Nützlinge füttern, und für Feldsalat, der im Herbst übernimmt. Eine Garantie gegen Schädlinge ist so ein Mischbeet nicht, aber es nutzt die Fläche und kann Blattläuse etwas bremsen.

Welche Pflanzen sind gute Nachbarn für Radicchio?

Gute Nachbarn übernehmen im Radicchio-Beet eine von drei Aufgaben. Manche sind früher erntereif und füllen die Lücken, andere füttern mit ihren Blüten Nützlinge, und einige übernehmen im Herbst den frei werdenden Platz. Diese Partner setze ich dafür ein:

Partner Aufgabe im Radicchio-Beet Wann
Pflücksalat füllt Lücken, ist früher erntereif Aussaat März bis August
Kopfsalat und Eichblattsalat mischen Arten und Farben im Salatbeet kleine Sätze etwa alle 10 bis 14 Tage
Spinat füllt Lücken im Spätsommer und Herbst Aussaat August bis Oktober
Sommerportulak füllt Lücken in den warmen Wochen Aussaat April bis August
Feldsalat übernimmt den Platz im Herbst Aussaat Juli bis September
Winterportulak übernimmt den Platz im Herbst Aussaat meist Ende August bis Oktober
Dill, Kerbel, Petersilie Blüten für Schwebfliegen und Florfliegen einzelne Pflanzen blühen lassen
Ringelblume, Schafgarbe, Kamille, Buchweizen Blüten für Nützlinge als Tupfer an Reihenenden und Beetrand
Steinkraut viel Nektar und Pollen als Zwischenpflanzung
Möhren, Zwiebeln, Lauch nicht mit Radicchio verwandt reihenweise im Wechsel

Schnelle Arten füllen die Lücken

Zwischen langsam wachsenden Kulturen wie Radicchio können schnelle Arten die Lücken füllen. Pflücksalat und Spinat brauchen 42 bis 56 Tage bis zur Ernte. Sommerportulak ist mit 28 bis 42 Tagen noch schneller fertig. Weil er erst ab 20 °C keimt, passt er in die warmen Wochen. Spinat säst du dagegen im zweiten Saatfenster von August bis Oktober zwischen die späten Radicchio-Sätze. Ich säe alle Lückenfüller in kleinen Sätzen in die Streifen zwischen den Radicchio-Reihen, damit jeder Streifen bald wieder frei ist.

Salate mischen: mehrere Arten, mehrere Farben

Gegen Blattläuse an Salat haben sich Anbaumaßnahmen bewährt, die gut zu einem Mischbeet passen. Dazu gehören verschiedene Salatarten und Farben nebeneinander, viele kleine Sätze und ein früher Erntebeginn. Radicchio ist in diesem Nebeneinander eine weitere Art. Säst du ihn satzweise alle 2 Wochen, stehen die vielen kleinen Sätze schon in deinem Plan. Ich pflanze ihn deshalb zwischen grüne und rote Pflücksalate statt in einen geschlossenen Block. Mischkultur kann Blattlausbefall etwas bremsen, garantieren kann sie nichts.

Kräuter und Blumen füttern die Nützlinge

Bei der Grünen Salatblattlaus, die sich im Inneren der Salatköpfe versteckt, sind die Larven von Schwebfliegen und Florfliegen die wichtigsten natürlichen Gegenspieler. Die erwachsenen Tiere leben von Pollen, Nektar und Honigtau. Schwebfliegen kannst du nicht kaufen, sie müssen aus der Umgebung zuwandern. Wer ihre Larven im Radicchio-Beet haben will, muss den erwachsenen Tieren also Blüten bieten.

Geeignet sind Doldenblütler wie Dill, Kerbel, Petersilie und Möhre sowie Korbblütler wie Ringelblume, Schafgarbe, Kamille und Margerite. Dazu kommen Buchweizen, blühende Zwiebeln und Lauch sowie weitere Kräuter. Ich setze sie als bunte Tupfer an die Reihenenden und lasse einzelne Pflanzen bewusst blühen. Frühblüher am Beetrand liefern schon früh im Jahr die ersten Pollen.

Steinkraut liefert viel Nektar und Pollen und fördert Schwebfliegen, Schlupfwespen und Raubwanzen. Als Zwischenpflanzung im Salat hat der Pflanzenschutzdienst Hamburg signifikant weniger Salatblattläuse festgestellt. Ob Radicchio ebenso profitiert, zeigt dieser Befund nicht. Wie du Radicchio darüber hinaus vor Krankheiten und Schädlingen schützt, beschreibt ein eigener Ratgeber.

Zahl im Blick

Eine Schwebfliegenlarve frisst in ihrer Entwicklung 150 bis 900 Blattläuse. Eine Florfliegenlarve schafft 500 bis 700 in zwei bis drei Wochen. Steinkraut zwischen den Salaten lockt Schwebfliegen an.

Feldsalat und Winterportulak übernehmen im Herbst

Radicchio verträgt Frost bis −6 °C und kann deshalb bis in den November hinein im Freiland geerntet werden. Feldsalat säst du von Juli bis September und erntest ihn von Oktober bis März. Säst du ihn zwischen die Radicchio-Reihen, wächst er heran, während die Köpfe noch stehen, und übernimmt das Beet nach ihrer Ernte. Die Fläche bleibt so über den Winter bewachsen, denn Feldsalat ist bis etwa −15 °C frosthart. Auch Winterportulak passt in diese Lücke, er wird meist von Ende August bis Oktober gesät. Als Kühlkeimer läuft er erst bei Temperaturen unter 12 °C auf.

Möhren, Zwiebeln und Lauch

Möhren, Zwiebeln und Lauch sind mit Radicchio nicht verwandt und fallen deshalb nicht unter die Anbaupause der Zichorien. Du kannst sie reihenweise im Wechsel mit Radicchio setzen. Als Futter für Schwebfliegen und Florfliegen zählen sie allerdings erst, wenn sie blühen. Was ihrem Duft nachgesagt wird, ordnet der Mythos-Check weiter unten ein.

Aussaatkalender Radicchio
GartenkalenderVorkultur: Mai, Juni, Juli; Aussaat: Juni, Juli; Ernte: Juni, Juli, August, September, Oktober, NovemberJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MaiVorkultur: JuniVorkultur: JuliAussaatAussaat: JuniAussaat: JuliErnteErnte: JuniErnte: JuliErnte: AugustErnte: SeptemberErnte: OktoberErnte: NovemberVorkulturAussaatErnte

Bei welchen Nachbarn ist Vorsicht angebracht?

Endivie, Zuckerhut und Chicorée teilen die Anbaupause

Radicchio, Chicorée und Zuckerhut gehören zur selben Art, die Endivie ist eng mit ihnen verwandt. In der Fruchtfolge zählen sie deshalb zusammen. Zichorien sollen nur alle 3 bis 4 Jahre auf demselben Beet stehen. Pflanzt du Endivie oder Zuckerhut mit ins Radicchio-Beet, gilt die Pause auch für ihre Plätze. Notier dir diese Stellen, damit dort in den nächsten Jahren keine Zichorie hinkommt.

Kurz erklärt

Zichorien sind die Salat- und Gemüseformen der Gattung Cichorium. Radicchio, Chicorée und Zuckerhut gehören zur Art der Wegwarte, die Endivie ist eine eigene, nah verwandte Art.

Hohe Partner nehmen Licht

Die Wegwarte, zu deren Art Radicchio gehört, ist eine Pflanze für volle Sonne. Stangenbohnen, Mais oder Tomaten passen deshalb nur dann ins Radicchio-Beet, wenn sie die Köpfe nicht beschatten. Ich setze hohe Kulturen an die Nordseite des Beets und den Radicchio davor in die Sonne.

Mythos-Check

„Zwiebeln, Thymian oder Rosmarin halten mit ihrem Duft die Schädlinge vom Radicchio fern.“ Das wird Duftpflanzen oft nachgesagt, gesichert ist es für Radicchio nicht. Mischkultur kann Befall etwas bremsen, darauf verlassen solltest du dich aber nicht. Nachvollziehbarer ist der Weg über Blüten, von denen erwachsene Schwebfliegen und Florfliegen leben.

Anzeigen

Wie plane ich ein Mischbeet mit Radicchio?

Im Mischbeet richtet sich alles nach dem Radicchio, weil er über viele Wochen denselben Platz belegt. Ich plane deshalb in dieser Reihenfolge:

  1. Termine festlegen. Radicchio säst du satzweise alle 2 Wochen bis Anfang Juli, damit sich die Ernte verteilt. Vorgezogene Jungpflanzen kommen spätestens nach 3 bis 4 Wochen ins Beet.
  2. Raster wählen. Die Abstände stehen in der Tabelle unten. Für Radicchio nehme ich im Mischbeet das weite Raster, damit zwischen den Köpfen Platz für Partner bleibt.
  3. Lücken belegen. In die Streifen zwischen den Radicchio-Reihen kommt der Lückenfüller, dessen Saatfenster gerade offen ist.
  4. Blüten verteilen. Dill, Ringelblume und Steinkraut setzt du als Tupfer an die Reihenenden und an den Beetrand.
  5. Herbst vorbereiten. Feldsalat säst du ab Juli und spätestens im September zwischen die Reihen.
  6. Plan prüfen und festhalten. Nachbarschaften prüfst du im Mischkultur-Planer. Das ganze Beet samt Zichorien-Fläche zeichnest du im Beetplaner ein. Die Saatfenster aller Partner hast du im Aussaatkalender für Salate und Blattgemüse zum Ausdrucken im Blick.
Art In der Reihe × Reihenabstand Saatfenster Bis zur Ernte
Radicchio, Jungpflanzen etwa 30 × 30 cm satzweise alle 2 Wochen bis Anfang Juli etwa 3 bis 4 Monate nach dem Pflanzen
Radicchio, engeres Raster etwa 25 cm × etwa 20 cm wie oben wie oben
Pflücksalat 25 × 30 cm März bis August 42 bis 56 Tage
Spinat 5 bis 8 cm × 20 cm März bis Juni, August bis Oktober 42 bis 56 Tage
Sommerportulak 8 bis 10 cm × 20 bis 30 cm April bis August 28 bis 42 Tage
Feldsalat 3 bis 15 cm × 10 bis 30 cm Juli bis September Ernte Oktober bis März
Winterportulak 3 bis 5 cm × 15 cm meist Ende August bis Oktober Ernte Oktober bis Dezember und Januar bis März
Häufiger Fehler

Die Lücken so dicht füllen, dass die Salatpartner eng an eng stehen. Falscher Salatmehltau wird besonders im Spätsommer und Herbst durch anhaltend feuchte, mäßig warme Witterung begünstigt, also in der Zeit, in der Radicchio und seine Herbstpartner gemeinsam im Beet stehen. Ausreichend weite Pflanzabstände und Reihen in Hauptwindrichtung können vorbeugend helfen.

Marias Erfahrung

Ich lege zuerst die Radicchio-Plätze fest und zeichne sie in den Beetplan. Erst danach verteile ich die Lückenfüller auf die Streifen dazwischen und setze Dill und Ringelblumen an die Reihenenden. Die Zichorien-Fläche notiere ich mit Jahreszahl, damit ich sie in den Folgejahren anders belege.

Was gilt für Aussaat, Pflege und Ernte im Mischbeet?

Aussaat und heiße Wochen

Radicchio keimt am besten bei 16 bis 20 °C. Darüber drohen Keimhemmungen, und unter 16 °C riskieren Jungpflanzen einen Kältereiz mit Schossgefahr. Die Lückenfüller planst du erst ein, wenn der Pflanztermin steht; wie du Radicchio von der Aussaat bis zum fertigen Kopf anbaust, zeigt der Anbau-Ratgeber Schritt für Schritt.

Gießen, Düngen und Jäten

Gieß das Mischbeet gleichmäßig und am Morgen, und dünge nach Art statt pauschal. Überdüngte Pflanzen können stärker von Blattläusen befallen werden, und vor Feldsalat willst du keine hohen Stickstoffreste im Boden. Mehr dazu steht im Abschnitt Gießen und Pflegen im Ratgeber für Salate und Blattgemüse und im Ratgeber dazu, wie viel und wie oft Radicchio Wasser braucht.

Herbstfärbung und Jahreslauf

Die Herbstfärbung der Köpfe fällt in die Wochen, in denen im Mischbeet schon Feldsalat und späte Spinatsätze wachsen. Was im Radicchio-Jahr wann zu tun ist, von der Frühjahrsvorbereitung bis zum Winterschutz, zeigt ein eigener Ratgeber. Ob sich für späte Sätze geschützter Anbau lohnt, klärt der Vergleich von Freiland und Gewächshaus für Radicchio.

Ernte und Lagerung

Die Erntezeit eines Radicchio-Satzes erstreckt sich über zwei bis drei Wochen. Schneide die Köpfe so, dass du die Nachbarn nicht verletzt, und nutze die Lücke für Feldsalat, solange sein Saatfenster offen ist. Im Gemüsefach, in ein Tuch oder Papier gewickelt, hält sich Radicchio höchstens 5 bis 7 Tage. Wie du Blattgemüse frisch hältst, beschreibt der Abschnitt Frisch halten im Ratgeber für Salate und Blattgemüse.

Passendes Saatgutaus dem samen.live Shop
Sperli Wegwarte
Sperli Wegwarte
Zum Shop

Häufige Fragen

Welche Pflanzen sind gute Nachbarn für Radicchio?
Gut passen schnelle Arten wie Pflücksalat, Spinat und Sommerportulak, die die Lücken zwischen den Köpfen füllen. Blühende Kräuter und Blumen wie Dill, Kerbel, Ringelblume oder Steinkraut füttern Schwebfliegen und Florfliegen, deren Larven Blattläuse fressen. Im Herbst übernehmen Feldsalat und Winterportulak den Platz, den die geernteten Köpfe freimachen.
Wie funktioniert die Mischkultur mit Radicchio im Gemüsebeet?
Du kombinierst Radicchio mit Arten, die früher fertig sind, Nützlinge füttern oder im Herbst seinen Platz übernehmen. Weil Radicchio nach dem Pflanzen etwa 3 bis 4 Monate bis zur Erntereife braucht, bleibt dazwischen Raum für schnelle Salate und Blüten. Mischkultur kann Blattlausbefall etwas bremsen, ein Erfolgsversprechen ist sie aber nicht.
Welche Rolle spielen Kräuter und Blumen als Begleitpflanzen für Radicchio?
Ihre Blüten liefern Pollen und Nektar für erwachsene Schwebfliegen und Florfliegen. Deren Larven gehören bei der Grünen Salatblattlaus zu den wichtigsten natürlichen Gegenspielern. Geeignet sind etwa Dill, Kerbel, Petersilie, Ringelblume, Schafgarbe, Kamille, Buchweizen und Steinkraut. Dass Duftpflanzen Schädlinge allein mit ihrem Geruch vom Radicchio fernhalten, ist nicht gesichert.
Wie beeinflusst die Fruchtfolge den Radicchio-Anbau im Mischbeet?
Radicchio, Chicorée, Zuckerhut und Endivie zählen in der Fruchtfolge zusammen. Zichorien sollen nur alle 3 bis 4 Jahre auf demselben Beet stehen. Stehen mehrere dieser Arten im Mischbeet, notierst du dir jede ihrer Flächen, damit dort in den nächsten Jahren keine Zichorie hinkommt.
Welche Abstände braucht Radicchio im Mischbeet?
Vorgezogene Jungpflanzen setzt du im Raster von etwa 30 × 30 cm. Enger geht es mit etwa 25 cm in der Reihe. Zwischen den Reihen reichen dann etwa 20 cm. Im Mischbeet nehme ich das weitere Raster, damit zwischen den Köpfen Platz für Partner bleibt.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Ernte von Radicchio in der Mischkultur?
Die Erntezeit eines Satzes erstreckt sich über zwei bis drei Wochen. Säst du satzweise alle 2 Wochen bis Anfang Juli, verteilt sich die Ernte über eine lange Zeit. Radicchio verträgt Frost bis −6 °C, sodass du späte Sätze bis in den November hinein ernten kannst. Die frei werdende Lücke nutzt du für Feldsalat oder Winterportulak.
Zuletzt geprüft:
↑