Radicchio richtig gießen: Menge, Zeitpunkt und Technik bis zur Ernte
- Frisch gepflanzter Radicchio braucht eine gute Wasserversorgung, Staunässe verträgt er nicht.
- Als Orientierung für Salate gilt morgens eine Gabe von 10 bis 15 l Wasser je m² und Gießvorgang.
- Gieß morgens direkt in den Wurzelbereich, damit die Blätter möglichst trocken bleiben.
- Prüf vor einer größeren Bewässerung die Bodenfeuchte auch in 20 cm Tiefe.
- Welke Blätter können Trockenstress oder beginnende Wurzelfäule anzeigen, also prüf erst den Boden.
- Lagerköpfe erntest du möglichst trocken, bei Morgentau ab Mittag oder am Nachmittag.

Frisch gepflanzter Radicchio braucht eine gute Wasserversorgung, doch Staunässe verträgt er nicht. Du gießt also so, dass die Jungpflanzen gut anwachsen, und nie so, dass Wasser im Boden stehen bleibt. Ich gieße deshalb nicht nach Kalender. Vorher stecke ich den Spaten neben eine Pflanze und schaue, wie tief die Erde feucht ist.
Radicchio ist eine Zichorie und gehört zur selben Art wie Chicorée und Zuckerhut. Wer mit wem verwandt ist und welche Sorten es gibt, findest du bei den Familien und Typen der Salate und Blattgemüse. Hier geht es ums Wasser: wie viel, wann und womit du gießt und wie du die Bodenfeuchte im Beet, unter Glas und im Kübel steuerst.
Wie viel Wasser braucht Radicchio pro Gießgang?
Ich richte mich nach dem Orientierungswert für Salate im Gemüsegarten: morgens 10 bis 15 l Wasser je m² und Gießvorgang. Gießt du morgens, trocknen Pflanzen und Boden tagsüber ab, und das gehört zur Vorbeugung gegen Salatfäulen. Der Wert gilt für die Beetfläche und nicht für die einzelne Pflanze. Wie viel davon im Wurzelbereich ankommt, zeigt dir erst die Bodenprobe.
1 mm Niederschlag entspricht 1 l Wasser je m². Damit vergleichst du den Regen aus dem Wetterbericht direkt mit deiner Gießgabe von 10 bis 15 l je m².
Wie oft gießen? Die Bodenprobe entscheidet
Wie oft du gießt, richtet sich nach Bodenart und Witterung. Ein fester Wochenplan hilft deshalb wenig. Ich grabe neben einer Pflanze vorsichtig mit dem Spaten nach und sehe so, wie tief das Wasser eingedrungen ist. Vor einer größeren Bewässerung prüfst du die Feuchte auch in 20 cm Tiefe. Nach dem Gießen grabe ich an derselben Stelle noch einmal nach.
Ist ergiebiger Regen angekündigt, kann eine geplante Gabe warten, solange deine Pflanzen bis dahin ausreichend versorgt sind. Eine verkrustete Oberfläche hackst du flach auf, damit Regenwasser besser eindringt.
Bei welken Blättern sofort zur Kanne greifen. Welke Blätter können auf Trockenstress hindeuten, aber genauso auf beginnende Wurzelfäule. Prüf deshalb erst die Bodenfeuchte, bevor du zusätzlich gießt. Ist die Erde in der Tiefe nass, hilft weiteres Wasser nicht, weil Radicchio Staunässe nicht verträgt.
Achte auch auf die Blattränder. Abgestorbene Ränder können bei Salaten auf einen gestörten CalciumtransportCalciumtransport ist die Verteilung von Calcium in der Pflanze. Calcium wandert mit dem Wasserstrom aus dem Boden in die Blätter, wo das Wasser verdunstet (Transpirationsstrom); Früchte verdunsten wenig und erhalten deshalb weniger Calcium. hindeuten. Dahinter kann eine schwankende Wasserversorgung stecken, ebenso eine Überdüngung.
Was Radicchio in welcher Phase braucht
Wie viel Wasser Radicchio braucht und wie du es gibst, hängt vom Entwicklungsstadium ab. Dazu kommen Bodenfeuchte, Wetter, das Speichervermögen des Bodens und die Wurzeltiefe.
| Phase | Worauf es ankommt | So gieße ich |
|---|---|---|
| Aussaat und Keimung | Saat mäßig feucht halten, Samen nicht wegschwemmen | Kanne mit feiner Brause, Fläche gleichmäßig benetzen |
| Pflanzung und Anwachsen | gute Wasserversorgung, Ballen mit Bodenschluss, keine Staunässe | jede Pflanze direkt am Fuß angießen |
| Blattwachstum und Kopfbildung | Wasserbedarf steigt wie bei anderen kopfbildenden Salaten | morgens bis in den Wurzelbereich, vorher nachgraben |
| Letzte Wochen bis zur Ernte | Wasser bleibt verfügbar, Lagerköpfe trocken ernten | weiter am Boden gießen, Blätter trocken halten |
Aussaat und Keimung: feucht, aber nicht verschwemmt
Radicchio-Samen keimen am besten bei 16 bis 20 °C. Unter diesen Bedingungen laufen sie in rund zwei Wochen auf. Bei mehr als 20 °C drohen Keimhemmungen.
Bis die Keimlinge da sind, hältst du die Saat mäßig feucht. Gieß mit feinem Strahl, damit die Samen nicht weggeschwemmt werden. Für Saatflächen passt eine flächige Benetzung, Tropfbewässerung bringt das Wasser dagegen gezielt an einzelne Pflanzen. Ich halte die Brause dabei tief über die Rille. Mulch kommt noch nicht aufs Beet, denn Saatrillen bleiben frei, damit die Keimung nicht behindert wird.
Saattiefe, Termine und Anzucht findest du in der Anleitung, wie du Radicchio säst, vorziehst und pflanzt. Die Saatzeiten für Salate und Blattgemüse gibt es auch als Aussaatkalender zum Ausdrucken.
Nach dem Pflanzen: anwachsen lassen
Junge Radicchiopflanzen brauchen besonders nach der Pflanzung eine gute Wasserversorgung. Drück die Erde rund um den Ballen an und gieß gleich danach an. So bekommt der Wurzelballen guten Kontakt zum umgebenden Boden und trocknet nicht aus. Staunässe musst du trotzdem vermeiden. Ich gieße frisch gesetzte Pflanzen einzeln mit der Kanne ohne Brause, direkt an den Fuß.
Welche Arbeiten sonst im Lauf der Saison anstehen, zeigt der Überblick, was im Radicchio-Jahr wann zu tun ist.
Schießt Radicchio, lohnt der Blick auf zwei Auslöser, die mit dem Gießen nichts zu tun haben. Bei Jungpflanzen kann ein KältereizDer Kältereiz ist eine mehrwöchige kühle Phase mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, die die Samen sogenannter Kaltkeimer durchlaufen müssen, bevor sie keimen können. Typisch ist das für viele Stauden wie Akelei, Christrose oder Schlüsselblume. unter 16 °C das SchossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen. auslösen. Ein Überangebot an Stickstoff kann es ebenfalls fördern.
Blattwachstum und Kopfbildung: der Bedarf steigt
Wie bei anderen kopfbildenden Salaten steigt der Wasserbedarf, sobald die Blätter kräftig wachsen und sich der Kopf bildet. Beim nah verwandten Zuckerhut ist es genauso: Er braucht für zügiges Jugendwachstum und während der Kopfbildung ausreichend Wasser. In dieser Zeit gieße ich morgens so, dass das Wasser bis in den Wurzelbereich kommt. Ob es dort angekommen ist, sehe ich beim Nachgraben.
Die letzten Wochen bis zur Ernte
Auch jetzt braucht Radicchio wie andere Salate ausreichend Wasser, damit die Blätter bis zur Ernte zart bleiben. Du gießt also bis zum Schluss nach Bodenprobe weiter. Beim Stickstoff gilt: Zu viel kann bei Radicchio starkes Wachstum, Schossen und mehr Bitterstoffe fördern. Wie du das abstimmst, erklärt der Ratgeber, wie du Radicchio düngst, ohne zu überdüngen.
„Vor der Ernte das Gießen einstellen, dann wird Radicchio würziger und roter.“ Seinen herb-bitteren Geschmack bringt Radicchio selbst mit, getragen vom Bitterstoff Intybin in den weißen Blattrippen. In den letzten Kulturwochen braucht er besonders Kalium, das die Farbentwicklung unterstützt. Ich gieße deshalb bis zur Ernte nach Bodenprobe weiter und steuere den Geschmack nicht über Wassermangel.
Für die Lagerung erntest du gesunde, möglichst trockene Köpfe. Liegt Morgentau auf dem Beet, schneidest du sie deshalb lieber ab Mittag oder am Nachmittag. Weil Lagerköpfe trocken sein sollen und Wasser von oben die Blätter benetzt, gießt du am Erntetag, wenn überhaupt, nur am Boden. In ein Tuch gewickelt hält Radicchio im Gemüsefach des Kühlschranks höchstens 5 bis 7 Tage.
Womit du gießt
Gieß morgens und direkt in den Wurzelbereich. So verdunstet weniger Wasser, und die Blätter werden kaum benetzt. Benetzte Salatblätter trocknen nach einer Morgengabe tagsüber schneller ab, sodass Blattkrankheiten weniger günstige Bedingungen finden.
| Gerät | Gut für | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Gießkanne ohne Brause | Angießen, einzelne Pflanzen | Wasser direkt an den Pflanzenfuß geben |
| Gießkanne mit feiner Brause | Saatreihen | feiner Strahl, damit die Samen liegen bleiben |
| Tropfschlauch | gezielte, wassersparende Versorgung einzelner Pflanzen | Filter einbauen, Tropfer können verstopfen oder verkalken |
| Perlschlauch | ganze Reihen | Abgabe kann ungleich sein, Laufzeit am Bestand ermitteln |
| Regner | gleichmäßiges Benetzen von Saatflächen | mehr BlattnässeBlattnässe ist Wasser, das als Film oder Tropfen auf den Blättern steht, etwa nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter. Hält sie länger an, können Pilzerreger die Blätter leichter infizieren. und höherer KrankheitsdruckKrankheitsdruck beschreibt, wie groß die Gefahr ist, dass Pflanzen von Krankheitserregern befallen werden. Er steigt zum Beispiel bei feucht-warmem Wetter, das besonders Pilzkrankheiten fördert. |
Gezieltes Gießen am Pflanzenfuß versorgt den Wurzelbereich, ohne den ganzen Bestand nass zu machen. Das gilt für die Kanne ebenso wie für einen passenden Tropfschlauch. Den Regner nutze ich deshalb höchstens für frische Saatflächen und nicht mehr, sobald Radicchio-Köpfe im Beet stehen.
Einen neuen Perlschlauch lasse ich beim ersten Mal unter Aufsicht laufen. Danach grabe ich am Anfang und am Ende der Reihe nach und vergleiche, wie tief das Wasser jeweils gekommen ist. Erst dann lege ich die Laufzeit fest.
Welches Wasser in die Kanne kommt
Regenwasser eignet sich, wenn es von unproblematischen Dachflächen stammt. Abläufe von Kupfer- und Zinkdächern sowie von herbizidbehandelten Bitumendächern schließt du aus. Leitungswasser ist als Gießwasser von hoher Qualität, trotzdem nehme ich es erst, wenn die Regentonne leer ist. Aufbereitetes Abwasser gehört nicht an Salat, der bodennah wächst und roh gegessen wird, weil es Krankheitserreger enthalten kann.
Mulch: Feuchte im Beet halten
Wie lange Wasser im Beet bleibt, hängt zuerst am Boden, und etwas Kompost kann sein Wasserhaltevermögen verbessern. Von der Bodenanalyse bis zur Lockerung erklärt der Ratgeber, wie du den Boden für Radicchio vorbereitest. Den Überblick über alle Arten gibt der Abschnitt Standort und Boden im Salat-Überblick.
Eine Mulchdecke vermindert die Verdunstung und schützt die Bodenoberfläche vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. und starker Erwärmung. Zugleich kann sie aufkommende Beikräuter unterdrücken. Als allgemeine Orientierung für Gartenbeete dient eine Schicht von 2 bis 3 cm. Feinen Rasenschnitt lässt du vorher antrocknen und verteilst ihn so, dass der Boden noch durchscheint. Bei feuchter Witterung mulchst du dünner als bei Trockenheit.
Ich lasse beim Mulchen Saatrillen und Jungpflanzen frei und decke die Pflanzen selbst nie zu. Rindenmulch gehört nicht ins Gemüsebeet, weil seine GerbstoffeGerbstoffe sind natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen, die zum Beispiel reichlich in Baumrinde stecken. Im Garten begegnen sie dir vor allem im Rindenmulch, wo sie das Wachstum von Gemüse, aber auch von Unkraut hemmen. das Wachstum hemmen können. Kranke Pflanzenreste und samentragende Unkräuter taugen ebenfalls nicht als Mulch. Grobe Strohreste räumst du vor der nächsten Bodenbearbeitung ab, denn eingearbeitet binden sie Stickstoff für ihren Abbau.
Dauerhaftes Mulchen kann den Schneckenbesatz erhöhen, und das wägst du bei schneckengefährdeten Salaten ab. Bei starkem Nacktschneckenbefall kann es sinnvoll sein, den Mulch samt Schnecken und Eiern zu entfernen.
Eine geschlossene Pflanzendecke in der Mischkultur beschattet den Boden und vermindert so ebenfalls die Verdunstung. Das klappt nur, wenn Abstand und Wasserversorgung für alle beteiligten Kulturen stimmen. Im Ratgeber findest du, welche Pflanzen als Mischkultur-Partner zu Radicchio passen.
Freiland, Gewächshaus und Kübel
Ob Radicchio besser ins Beet oder unter Glas gehört, klärt der Vergleich von Freiland- und Gewächshausanbau für Radicchio. Beim Gießen unterscheiden sich die Standorte vor allem darin, wie viel Wasser von außen dazukommt und wie es abfließt.
Im Freiland
Im Freiland zählt jeder Regen mit, und den liest du in Litern je m² ab. In trockeneren Gegenden gießt du Radicchio bei Bedarf zusätzlich und sorgst zugleich für guten Wasserabzug. Nach einem Regen grabe ich nach, bevor ich entscheide, ob die geplante Gabe noch nötig ist.
Im Gewächshaus
Unter Glas gießt du morgens, damit Pflanzen und Boden tagsüber abtrocknen. Ein Tropfschlauch versorgt dort den Wurzelbereich, ohne den Bestand zu benetzen. Lüfte Gewächshaus und FrühbeetEin Frühbeet, auch Frühbeetkasten genannt, ist ein Beetkasten, der die Wachstumsbedingungen für Gemüse verbessert. Darin kannst du früher aussäen und ein bis drei Wochen früher ernten als im offenen Beet. regelmäßig und reichlich, denn das gehört zur Vorbeugung gegen Mehltau. Ich öffne nach dem morgendlichen Gießen Tür und Fenster.
Im Kübel
Wenn du Radicchio im Kübel ziehst, braucht das Gefäß Abzugslöcher. Nur so läuft überschüssiges Wasser ab, bevor Staunässe die Wurzeln schädigt. Ein größeres Gefäß speichert mehr Wasser und verlängert die Gießabstände, kleine Gefäße musst du häufiger gießen. Als Substrat eignet sich ein faserreiches, möglichst torffreies Kompostsubstrat, das Luft, Wasser und Nährstoffe gut speichert. Ich prüfe die Feuchte im Kübel mit dem Finger am Rand des Ballens, bevor ich zur Kanne greife.


