Alexandrinerklee im Biolandbau: Futterwert, Schnitt und eigenes Saatgut
- Alexandrinerklee ist eine einjährige, nicht winterharte Leguminose, die Biobetriebe vor allem als Zwischenfrucht und auch als Futterpflanze nutzen.
- Für Futter liegt der erste Schnitt spätestens bei Blühbeginn, bevor die Stängel verholzen.
- Mehrschnittige Sorten bringen als Hauptfrucht 3–4 Schnitte.
- Für Silage wird der Aufwuchs auf 35–40 % Trockensubstanz angewelkt.
- Zusätzlichen Stickstoff braucht der Klee nicht, im Zwischenfruchtanbau genügt die Grundversorgung mit Phosphat und Kali.
- Trockenes Saatgut lagert in geschlossenen Gefäßen dunkel bei 4–15 °C.

Du kennst Alexandrinerklee als Gründünger und wunderst dich, dass Biobetriebe ihn auch mähen, silieren und verfüttern. Dahinter steckt eine Entscheidung, die du auf dem Beet genauso triffst: Soll der Bestand Futter liefern, für Insekten blühen oder Saatgut bringen? Jedes Ziel verlangt einen anderen Schnitttermin, und wer das nicht vorher klärt, schneidet zu spät fürs Futter oder zu früh für die Blüte. Ich lege deshalb vor der Aussaat fest, wofür ein Beet gedacht ist, und richte den Schnitt danach aus.
Warum setzen Biobetriebe auf Alexandrinerklee?
Alexandrinerklee (Trifolium alexandrinum) ist eine einjährige Leguminose und nicht winterhart. Betriebe nutzen ihn vor allem als ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut., außerdem als Futterpflanze. Für den Biolandbau interessant ist seine Stickstoffquelle: An den Wurzeln leben Knöllchenbakterien, die den Klee mit Ammonium aus Luftstickstoff versorgen. Im Gegenzug liefert die Pflanze ihnen unter anderem Zucker.
Eine zusätzliche Stickstoffdüngung braucht der Klee deshalb nicht. Im Zwischenfruchtanbau genügt eine Grundversorgung mit Phosphat und Kali. Nur Leguminosen bringen auf diesem Weg zusätzlichen Stickstoff ein, andere Gründünger nutzen den Stickstoff, der schon im Boden ist.
Rechne trotzdem nicht damit, dass alles beim nächsten Gemüse ankommt. Wie viel Stickstoff die Folgekultur aus der Pflanzenmasse erhält, hängt von Boden, Witterung und Umbruch ab, vollständig verfügbar ist er nicht.
Für den Boden zählen außerdem die Rückstände. Im Feld werden für Alexandrinerklee 12–14 Dezitonnen TrockenmasseTrockenmasse ist das Gewicht eines Materials, etwa von Erntegut oder Futter, nach Abzug des enthaltenen Wassers. Sie macht Vergleiche möglich, die nicht davon abhängen, wie feucht das Material gerade ist. je Hektar als Wurzel- und Ernterückstände angegeben. Gemeint sind nur diese Rückstände, nicht der gesamte Aufwuchs und kein Dauerhumus. Die Grundlagen dazu stehen im Überblick, was Gründüngung im Boden leistet. Welche Vorteile Alexandrinerklee dem Boden im Einzelnen bringt, zeigt ein eigener Ratgeber.
Lange steht ein Bestand trotzdem nicht. Alexandrinerklee ist anfällig für Stängelbrenner, dessen Erreger auf Pflanzenresten überdauert und überjährige Bestände stärker gefährdet. Betriebe sehen deshalb eine kurze Nutzungsdauer vor. Mehr zu Krankheiten bei Gründüngern steht im Gründünger-Überblick, Abschnitt „NematodenNematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer im Boden. Verschiedene Gattungen können viele Pflanzenarten schädigen; bestimmte andere Arten werden dagegen gezielt als Nützlinge gegen Schädlingslarven im Boden eingesetzt., Biofumigation und Krankheiten“.
Wie bauen Betriebe ihn in ihre Abläufe ein?
Im Feld folgt Alexandrinerklee als Zwischenfrucht auf Frühkartoffeln, Winterraps oder Wintergerste. Als Stoppelsaat liegt das empfohlene AussaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. im Juli bis Anfang August. Für deinen Garten heißt das: Der Klee passt auf Beete, die im Sommer frei werden. Die Saatfenster der anderen Arten findest du im Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken.
Im Gemüsegarten gibt es eine zweite Variante, die späte UntersaatEine Untersaat ist eine zweite Pflanzenart, die du zusätzlich zwischen oder unter eine Hauptkultur säst. Sie wächst zunächst mit und entwickelt sich nach der Ernte der früher erntereifen Hauptkultur weiter.. Empfohlen wird sie ab August unter Tomaten, Kohlarten oder Lauch. Schneide die Untersaat, sobald sie das Gemüse beeinträchtigt. Lebende Untersaaten können durch die Konkurrenz um Wasser den Ertrag mindern, an trockenen Standorten ist der Nutzen deshalb nicht sicher.
Oft steht Alexandrinerklee nicht allein. In Zwischenfruchtmischungen wird er mit Ölrettich, Phacelia oder Buchweizen kombiniert. In Feldversuchen glichen Mischungen mit unterschiedlichen Wuchsformen Bestandslücken aus und unterdrückten Unkraut besser als die einzelnen Arten für sich. Welche Mischkulturpartner zu Alexandrinerklee passen, ist ein eigenes Thema. Für dein Gemüse prüfst du im Mischkultur-Werkzeug, welche Nachbarn im Beet zusammenpassen.
Was bestimmt den Futterwert von Alexandrinerklee?
Den Futterwert steuerst du über den Schnittzeitpunkt. Der erste Schnitt liegt spätestens bei Blühbeginn. Wer länger wartet, riskiert verholzte Stängel, deshalb heißt die Regel im Betrieb: früh schneiden oder nutzen.
Den Futterschnitt bis in die volle Blüte schieben. Dann können die Stängel schon verholzt sein, der erste Schnitt gehört spätestens an den Blühbeginn.
Die zweite Entscheidung fällt beim Saatgutkauf. Es gibt ein- und mehrschnittige Sorten, und deine Nutzung muss zum Sortentyp passen. Mehrschnittige Sorten bringen als Hauptfrucht 3–4 Schnitte.
Schau vor dem Kauf in die Sortenbeschreibung. Für mehrere Futterschnitte brauchst du eine mehrschnittige Sorte.
| Kennwert der Futternutzung | Angabe |
|---|---|
| Erster Schnitt | spätestens bei Blühbeginn |
| Schnitte als Hauptfrucht | 3–4 bei mehrschnittigen Sorten |
| Schnitthöhe bei der Futterernte | 6–7 cm |
| Anwelkziel für Silage | 35–40 % Trockensubstanz |
Bei der Bergung zählt jeder Arbeitsgang: Je seltener das Schnittgut bewegt wird, desto geringer bleiben die Bröckelverluste. Für Silage wird der Aufwuchs zuerst angewelkt, Ziel sind 35–40 % Trockensubstanz. Beschrieben ist das auch für ein Futtergemenge im Feld aus Alexandrinerklee, einjährigem Weidelgras und Sommerwicken, das nach dem Anwelken siliert wird.
Bröckelverluste sind Pflanzenteile, die bei der Bearbeitung des Schnittguts abbrechen und auf der Fläche liegen bleiben.
Wie viel Eiweiß und Energie dein Aufwuchs enthält, zeigt erst eine Futteruntersuchung. Vor der Rationsplanung bei Wiederkäuern liefert sie belastbare Futterwerte. Allgemeine Werte für Zwischenfrüchte ersetzen die Analyse des eigenen Bestands nicht.
Futter oder Blüte: Warum geht nicht beides auf einer Fläche?
Alexandrinerklee blüht von Mai bis September und gilt als nützlingsfreundlich. Eine Gründüngung, die für Insekten blühen soll, endet erst nach der Blüte, aber vor der Samenreife. Der Futterschnitt liegt dagegen spätestens bei Blühbeginn. Auf derselben Fläche bekommst du also entweder junges Futter oder Blüten.
| Ziel des Bestands | Wann wird geschnitten? |
|---|---|
| Futter | spätestens bei Blühbeginn |
| Blüte für Insekten | nach der Blüte, vor der Samenreife |
| Eigenes Saatgut | ein kleiner Teil reift aus, der Rest endet vor der Samenreife |
Ich teile mein Beet deshalb auf: Den größeren Teil schneide ich früh, ein Streifen bleibt bis nach der Blüte stehen.
Welche Technik steckt dahinter, und was heißt das für dein Beet?
Feldfutterpflanzen wie Alexandrinerklee werden im Betrieb gedrillt oder breit gesät. Bei Breitsaat ist das Risiko größer, dass die Saat ungleich aufläuft, deshalb muss der Bodenkontakt nach der Saat gesichert sein. Das übernimmt die Walze: Anwalzen stellt den Bodenschluss her und setzt eine abgetrocknete Fläche voraus.
Im Garten ersetzt du die Maschinen durch drei Handgriffe: breitwürfig verteilen, einrechen, andrücken. Alexandrinerklee braucht ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett. In diesem festen Saatbett liegt das Korn höchstens 1 cm tief. Ich drücke die Fläche nach dem Einrechen mit einem Brett an und halte sie bis zum Auflaufen feucht.
Gegen Unkraut im jungen Bestand kennen Betriebe den SchröpfschnittEin Schröpfschnitt ist ein früher Schnitt im ersten Jahr nach dem Aussäen einer Blumenwiese. Er kürzt schnell wachsende Beikräuter zurück, damit die langsameren eingesäten Wildkräuter nicht überwuchert werden und genug Licht bekommen., einen frühen Pflegeschnitt. Er kann den Unkrautwuchs verringern und zugleich die Bestockung des Klees fördern.
Eine Regel aus dem Feld gilt auch für Grabgabel und Rechen: Betriebe befahren ihre Flächen nicht, solange der Boden zu feucht ist.
Bearbeite dein Beet nur, wenn der Boden abgetrocknet ist. Druck auf zu feuchten Boden kann das Gefüge verdichten, auf Tonböden ist diese Gefahr im feuchten Zustand besonders hoch.
Was du nicht verfütterst, arbeitest du nur flach ein, denn tief vergrabene frische Masse kann unter Luftabschluss faulen. Bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung vergehen danach meist etwa 2–3 Wochen. Zeitpunkt, Mulch und Wartezeit erklärt der Gründünger-Überblick im Abschnitt „Mähen und Einarbeiten“.
Lohnt sich der Anbau, und gibt es Förderung?
Ob sich eine Zwischenfrucht rechnet, hängt unter anderem von Saatgut, Aussaatverfahren und Arbeitsaufwand ab. Dazu kommt, ob die Biomasse genutzt, abgefahren oder eingearbeitet wird. Was sich für den Garten vorab abschätzen lässt, steht im Gründünger-Überblick im Abschnitt „Aufwand und Nutzen“.
Für Betriebe kommt die Förderung hinzu. Viele Bundesländer haben Programme für den ökologischen Landbau, die auch den Anbau von Zwischenfrüchten unterstützen können. Was aktuell gilt, erfährst du bei der zuständigen Landwirtschaftskammer.
Beim Saatgut gilt für zertifizierte Ökobetriebe eine feste Vorgabe. Ist ökologisch vermehrtes Saatgut verfügbar, müssen die Betriebe es verwenden, auch für reine Gründüngungspflanzen.
Wie gewinnst und lagerst du eigenes Saatgut?
Alexandrinerklee ist einjährig und nicht winterhart, du brauchst also jedes Jahr neues Saatgut. Wer es selbst gewinnt, lässt bewusst zu, was bei der Gründüngung sonst vermieden wird: Ein Teil des Bestands reift aus. Der Rest endet wie üblich vor der Samenreife, damit er sich nicht selbst aussät.
Ich grenze dafür eine kleine Ecke ab und warte, bis die Köpfchen braun und trocken sind. Dann dresche ich die Köpfchen aus und lasse die Samen gründlich nachtrocknen, bevor sie ins Glas kommen. Trockenes Saatgut lagert in geschlossenen Gefäßen, dunkel und bei 4–15 °C.
Ich beschrifte jedes Glas mit Erntejahr und Beet und stelle es in den kühlen Keller. Vor der Aussaat mache ich eine Keimprobe und zähle erst, wenn die volle Keimdauer um ist.
Amtlich anerkanntes Saatgut ist geprüft, dein eigenes nicht. Die Anerkennung setzt voraus, dass Vermehrungsbestand und Saatgutpartie geprüft wurden. Diese Kennwerte helfen dir, die Angaben auf einer Packung einzuordnen:
| Kennwert | Angabe für Alexandrinerklee |
|---|---|
| Mindestkeimfähigkeit | 80 % |
| Technische Mindestreinheit | 97 Gewichtsprozent |
| Hartschalige Körner | bis 20 % werden bei der gesetzlichen Bewertung als keimfähig angerechnet |
| Tausendkorngewicht (Tausendkornmasse) | 2,95 g |
| Keimdauer | 14–21 Tage |
Die technische Reinheit ist der Gewichtsanteil der samen.liver angegebenen Art in der geprüften Probe. Tausendkornmasse und KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut. dienen zusammen dazu, die Aussaatmenge zu berechnen. Woran du gutes Alexandrinerklee-Saatgut erkennst und wie du es prüfst, vertieft ein eigener Ratgeber.
Was musst du für den Anbau im Garten wissen?
Alexandrinerklee will leichte bis mittelschwere, nährstoffreiche Böden, die nicht sauer sind; als geeigneter pH-Bereich gilt 6–8. Dazu braucht er Wärme und regelmäßig reichlich Niederschlag, trockene Jahre sind ungünstig. Welche Gründüngerart auf welchen Boden gehört, vergleicht der Gründünger-Überblick im Abschnitt „Standort und Boden“.
Für Aussaat, Keimung, Gießen und den Umgang mit Unkraut und Frost gibt es eine eigene Anleitung, wie du Alexandrinerklee anbaust und pflegst. Den Ablauf als Zwischenfrucht beschreibt der Ratgeber dazu, wie du Alexandrinerklee von der Aussaat bis zum Unterpflügen nutzt.
In der Fruchtfolge zählt Klee zu den Hülsenfrüchten. Säe ihn deshalb nicht auf Beete, auf denen kürzlich Bohnen oder Erbsen standen oder als nächste HauptkulturDie Hauptkultur ist die Gemüseart, die im Gartenjahr am längsten auf einem Beet steht, zum Beispiel Tomaten. Nach ihr richtet sich die Beetplanung: Vor-, Nach- und Zwischenkulturen werden um sie herum eingeplant. geplant sind. Im Feldfutterbau wird für Alexandrinerklee eine Anbaupause von 3–4 Jahren empfohlen. Die Regeln dahinter stehen im Gründünger-Überblick im Abschnitt „Fruchtfolge und Mischkultur“, und mit dem Beetplaner kannst du deine Beete samt Anbaupause planen.





