Biologischer Pflanzenschutz bei Blumenkohl: Nützlinge fördern, Netz auflegen, Kohlhernie vorbeugen
- Im Freiland heißt biologischer Pflanzenschutz vor allem: die Nützlinge fördern, die ohnehin im Garten leben.
- Ein Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite kommt direkt nach dem Pflanzen auf und bleibt rundum dicht.
- Raupen, Eigelege und Läusekolonien entfernst du von Hand, übrige Blattläuse spülst du mit kaltem Wasser ab.
- Für Blumenkohl gilt eine Fruchtwechselpause von 5 Jahren, andere Kreuzblütler zählen dabei mit.
- Wer morgens bodennah gießt, hält die Blattnässe kurz und kann so Falschem Mehltau vorbeugen.

Kaum steht der Blumenkohl im Beet, tauchen auf den jungen Blättern feine Löcher von Erdflöhen auf. Später kommen Raupen und Läuse dazu, und im Boden fressen die Maden der KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge. an den Wurzeln. Ich schütze meine Pflanzen dagegen mit Netz, Nützlingen, Handarbeit und einem Beet, auf dem lange kein Kohl stand. Diese Maßnahmen setzen an, bevor ein Befall groß wird, und senken das Risiko. Eine Garantie gibt keine von ihnen.
Was heißt biologischer Pflanzenschutz im Blumenkohlbeet?
Biologisch schützen heißt: Du arbeitest mit Barrieren, Nützlingen, Handarbeit und sauberen Beeten statt mit Spritzmitteln. Im Freiland beruht dieser Schutz vor allem darauf, die Nützlinge zu fördern, die ohnehin im Garten leben. Gekaufte Nützlinge kommen überwiegend in Gewächshäusern und anderen geschützten Räumen zum Einsatz.
Für alle Kohlarten gilt dieselbe Reihenfolge: vorbeugen, regelmäßig kontrollieren und erst dann eingreifen. Die ganze Stufenfolge findest du im Kohl-Ratgeber unter Schädlinge und Pflanzenschutz: vorbeugen, kontrollieren, eingreifen. Wie die einzelnen Schädlinge und Krankheiten aussehen, zeigt dir der Beitrag, woran du Krankheiten und Schädlinge am Blumenkohl erkennst.
Welche Nützlinge helfen dem Blumenkohl?
Viele Gegenspieler der Kohlschädlinge leben ohnehin im Garten. Mit Futter und Verstecken förderst du sie gezielt.
| Schädling | Natürliche Gegenspieler |
|---|---|
| Mehlige Kohlblattlaus und andere Blattläuse | Siebenpunkt-Marienkäfer mit seinen Larven, Larven von Hainschwebfliege und Gemeinem Goldauge, Kohlblattlausschlupfwespe |
| Kohlmotte | Diadegma semiclausum und Cotesia plutellae |
| Kohlmottenschildlaus, auch Weiße Fliege genannt | Marienkäfer Clitostethus arcuatus und Erzwespe Encarsia tricolor |
Bei Hainschwebfliege und Gemeinem Goldauge fressen die Larven die Läuse. Die erwachsenen Tiere brauchen dagegen Pollen, Nektar oder HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn.. Blühender Dill, Fenchel und ungefüllte Ringelblumen bieten Schwebfliegen und parasitoiden Wespen gut erreichbares Futter. Beim Siebenpunkt-Marienkäfer fressen Käfer und Larven Blattläuse, und zum Überwintern suchen die Käfer PolsterstaudenPolsterstauden sind niedrige, winterharte Stauden, die flach in die Breite wachsen und dabei dichte Polster oder Teppiche bilden. Sie werden vor allem im Steingarten und als Bodendecker verwendet. und Laubschichten. Hain-Laufkäfer jagen überwiegend nachts und verstecken sich unter Steinen und im Laub.
Ich lasse am Beetrand Dill und ungefüllte Ringelblumen blühen. Das Laub unter der Hecke bleibt bei mir liegen, und in einer Ecke steht ein Haufen aus Laub und Totholz. Solche Haufen bieten Nützlingen Nahrung oder Rückzugsraum.
Harte, kugelige, hellbraune Blattläuse sind Mumien, die von der Kohlblattlausschlupfwespe parasitiert wurden. Gelbe Kokonhaufen neben abgestorbenen Kohlweißlingsraupen können von der Brackwespe Cotesia glomerata stammen. Beides lässt du beim Kontrollgang am Blatt.
Wie schützt ein Kulturschutznetz den Blumenkohl?
Ein Kulturschutznetz kann zufliegende Schädlinge vom Blumenkohl fernhalten, wenn die Maschen zum Schädling passen. Bei mir kommt es noch am Pflanztag über die Reihe. Ich lege es mit reichlich Spielraum nach oben auf und schließe die Ränder rundum mit Erde. Bis zur Ernte bleibt es dann dicht geschlossen.
| Maschenweite | Vorgesehen gegen |
|---|---|
| 0,6 bis 0,8 mm, höchstens 0,9 mm | Kohlerdflöhe |
| 0,8 mm | Blattläuse und Weiße Fliegen |
| etwa 1,3 mm | Kohlfliegen |
| 1,35 mm | Gemüsefliegen und Raupen |
Für Kohlgemüse gilt eine Maschenweite von 0,8 mm mit rundum dichter Abdeckung als feinmaschiger Schutz. Damit arbeite ich auch beim Blumenkohl.
Hält feuchter Boden die Erdflöhe fern? Warme, trockene Frühjahre begünstigen die Käfer zwar, doch Feuchthalten allein ist keine verlässliche Bekämpfung. Für junge Pflanzen bleibt das Netz die Barriere.
Wo stößt das Netz an Grenzen?
Ein Netz hält keine Kohlfliegen auf, die als Puppen schon im Beet überwintert haben. Außerdem sperrt ein geschlossenes Netz auch Nützlinge aus. Schädlinge, die schon darunter sitzen, reguliert dann kein Gegenspieler von selbst. Netz und Fruchtwechsel gehören deshalb zusammen: Das Netz kommt auf eine Fläche ohne Vorbefall, sonst schirmt es eingeschlossene Schädlinge vor ihren Feinden ab. Unter dem Netz schaue ich genauso regelmäßig nach wie im offenen Beet.
Das Netz erst auflegen, wenn die ersten Fraßlöcher da sind. Dann sitzen die Erdflöhe schon darunter, und ihre Gegenspieler bleiben draußen. Das Netz gehört unmittelbar nach der Pflanzung aufs Beet.
Kohlkragen gegen die Kohlfliege
Welken junge Pflanzen und finden sich beim Herausziehen weiße Maden an den Wurzeln, spricht das für die Kohlfliege. Vorbeugend fangen Pappkragen um den WurzelhalsDer Wurzelhals ist die Übergangszone zwischen Sprossachse und Hauptwurzel einer Pflanze. Botanisch ist er der untere Teil des Keimstängels und oft etwas verdickt. junger Pflanzen die Eier der Kohlfliege auf. Ich lege die Kragen beim Pflanzen an. Finde ich Eier daran, nehme ich Kragen und Eier zusammen ab und lege einen frischen Kragen an.
Die erste Generation der Kleinen Kohlfliege taucht je nach Witterung im April oder Anfang Mai auf. Ungefähr 8 bis 10 Tage später beginnt die Eiablage. Bei frühen Sätzen müssen Kragen und Netz also liegen, bevor diese Frist abläuft. Wann deine Sätze ins Beet kommen, hältst du auf einem Druckblatt mit Saat- und Pflanzterminen für Kohl fest.
Was richtest du mit der Hand aus?
Wie läuft der Kontrollgang?
Ab April schaue ich regelmäßig nach den Jungpflanzen, denn meist ab dann tauchen die überwinterten Erdflöhe auf. Ihre neue Generation folgt ab Juli. Beim Kontrollgang drehe ich untere Blätter um, weil Mehlige Kohlblattläuse und Kohlmottenschildläuse vor allem auf der Unterseite sitzen.
Ich gehe die Reihe Pflanze für Pflanze ab. Zuerst schaue ich ins Herz, dann auf die Blattunterseiten und zuletzt an den Kragen am Wurzelhals. Raupen und Läusekolonien nehme ich gleich ab, Mumien und Kokonhäufchen bleiben sitzen.
Raupen und Eigelege absammeln
Fraßlöcher mit grünen oder braunen Kotkrümeln sind das Zeichen, die Blätter genauer abzusuchen. Die Raupen des Großen Kohlweißlings sind gelb mit schwarzen Flecken, die des Kleinen Kohlweißlings grün und samtig behaart. Feines weißes Gespinst an den Herzblättern kann auf Larven der Kohlmotte hindeuten. Bei beginnendem oder geringem Befall kann das Absammeln von Raupen und Eigelegen schon ausreichen.
Blattläuse abspülen
Die Mehlige Kohlblattlaus wirkt durch ihre Wachsschicht blaugrau. Ihre Kolonien entfernst du gleich zu Befallsbeginn, indem du befallene Blattteile abnimmst. Was übrig bleibt, spülst du mit einem kräftigen kalten Wasserstrahl ab.
Bei Brennnessel lohnt es sich, zwei Anwendungen auseinanderzuhalten. Vergorene Brennnesseljauche dient im Garten als stickstoffhaltiger Dünger. Einem Brennnesselauszug wird eine Wirkung gegen Blattläuse nachgesagt, vorbeugend ausgebracht bleibt er aber wirkungslos. Die Läuse müssten dafür direkt getroffen werden. Ich bleibe bei Läusen deshalb beim Wasserstrahl.
Schnecken: Zaun und Absammeln
Silbrige Schleimspuren sprechen für Schneckenfraß. Ein Schneckenzaun schützt nur, wenn er lückenlos steht und keine überhängenden Blätter eine Brücke bilden. Schnecken, die schon innerhalb des Zauns sitzen, musst du absammeln. Ich sammle früh morgens. Auch spät abends und bei Regen lassen sich Schnecken gut finden. Kräuterbarrieren aus Thymian, Salbei oder Pfefferminze gelten nicht als gesichert wirksamer Schneckenschutz.
Wie beugst du Krankheiten ohne Mittel vor?
Zu den Krankheiten am Blumenkohl zählen die Kohlhernie an den Wurzeln und Blattkrankheiten wie Falscher Mehltau und Alternaria. Erreger und Schadbilder beschreibt der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Krankheiten. Eine an Kohlhernie erkrankte Pflanze lässt sich nicht direkt behandeln. Gegen die bakterielle Adernschwärze gibt es keine direkte Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln. In beiden Fällen bleibt dir nur die Vorbeugung.
Kohlhernie: Fläche, Boden und Sorte
Der Erreger bildet DauersporenDauersporen sind mikroskopisch kleine Sporen, mit denen manche Krankheitserreger im Boden überdauern, etwa der Erreger der Kohlhernie. Sie bleiben über mehrere Jahre lebensfähig und können dann erneut Pflanzen infizieren., die bis zu 20 Jahre im Boden überdauern können. Der Schutz beginnt deshalb mit der Wahl der Fläche. Für Blumenkohl gilt eine Fruchtwechselpause von 5 Jahren. Ist die Kohlhernie auf einer Fläche schon einmal aufgetreten, brauchen alle Kreuzblütler dort mindestens 7 Jahre Pause. Selbst nach einer mehrjährigen Pause kann die Krankheit wieder auftreten. Zur Kohlfamilie zählen auch Radieschen, Rettich, Rucola und Kresse sowie die Gründüngungen Senf, Ölrettich und Raps. Damit du die Jahre im Blick behältst, trägst du deine Kohlbeete in den Beetplaner für die Fruchtfolge ein.
Wer vor Blumenkohl gründüngen möchte, sät Phacelia, weil sie mit keiner gängigen Gemüseart verwandt ist. Die Reste arbeitest du flach ein und planst bis zur Pflanzung meist etwa 2 bis 3 Wochen für die Zersetzung ein. Hederich, Ackersenf und Hirtentäschel können ebenfalls von Kohlhernie befallen werden. Ich ziehe diese Beikräuter auf den Kohlflächen deshalb mit heraus.
Feuchte bis staunasse Böden begünstigen Infektionen, besonders bei 20 bis 25 °C. Für Blumenkohl passt ein Boden-pH von 6,5 bis 7,5. Gegen Kohlhernie peilst du nach einer Bodenprobe einen Wert von 7 bis 7,5 an. Kalk kommt nur infrage, wenn die Messung darunter liegt, denn oberhalb des Zielbereichs wird nicht gekalkt. Bei der Sortenwahl kannst du auf ResistenzResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig. achten: Clapton F1 besitzt eine Resistenz gegen Kohlhernie.
Welke Pflanzen mit knötchen- oder fingerförmigen Wurzelwucherungen können auf Kohlhernie hinweisen. Solche Pflanzen ziehst du samt Wurzeln heraus und entsorgst sie über den Restmüll statt auf dem Kompost. Danach reinigst du Spaten und Grabegabel gründlich.
Blattkrankheiten: Blätter schnell abtrocknen lassen
Falscher Mehltau zeigt gelbliche Flecken auf der Blattoberseite und einen weißlichen Sporenrasen auf der Unterseite. Liegen die Temperaturen bei 15 bis 17 °C, kann der Erreger besonders schnell ins Blatt eindringen. Vorbeugen heißt, BlattnässeBlattnässe ist Wasser, das als Film oder Tropfen auf den Blättern steht, etwa nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter. Hält sie länger an, können Pilzerreger die Blätter leichter infizieren. kurz zu halten. Ich gieße deshalb früh am Tag und bodennah, ohne die Blätter zu benetzen. Eine Tropfbewässerung bringt das Wasser gezielt an die Pflanzen und kann den KrankheitsdruckKrankheitsdruck beschreibt, wie groß die Gefahr ist, dass Pflanzen von Krankheitserregern befallen werden. Er steigt zum Beispiel bei feucht-warmem Wetter, das besonders Pilzkrankheiten fördert. vermindern. Bei Jungpflanzen in der Anzucht sorgst du für gute Lüftung und vermeidest Taubildung.
Das frühe Gießen nützt dir doppelt: Die Blätter trocknen tagsüber ab, und wenn du gezielt an die Pflanzen gießt, bleiben die Wege der Schnecken trocken.
Alternaria bildet graubraune, rundliche Blattflecken und wird durch 15 bis 25 °C bei hoher Luftfeuchte begünstigt. Befallene Blätter nimmst du ab, das kann die Ausbreitung begrenzen. Echter Mehltau mit mehlig weißen Flecken gilt beim Blumenkohl bisher nicht als besonders ernste Krankheit. Eine vorbeugende Bekämpfung ist gewöhnlich nicht nötig.
Hilft Mischkultur gegen Schädlinge?
Als Nachbarn für Blumenkohl eignen sich Sellerie, Tomaten, Bohnen, Salat und Erbsen. Schnittsellerie gilt als traditioneller Kohlpartner, seine Abwehrwirkung gegen Erdflöhe und Raupen zeigt sich aber nicht an jedem Standort. Solche Nachbarschaftseffekte sind schwer nachzuweisen und hängen von Standort und Pflege ab. Mischkultur kann den Schutz unterstützen, sie garantiert ihn nicht.
Frühsalat darf zwischen jungem Blumenkohl stehen, wenn du ihn erntest, bevor der Kohl die Reihen schließt. Andere Kreuzblütler setzt du nicht direkt daneben. Passende Paare findest du im Mischkultur-Planer für dein Gemüsebeet.
Wann kommt ein Pflanzenschutzmittel infrage?
Wenn ein Befall trotz Netz, Nützlingen und Handarbeit überhandnimmt, bleibt ein Pflanzenschutzmittel das letzte Mittel. Dann gelten feste Regeln.
Im Haus- und Kleingarten darfst du nur Mittel einsetzen, die für die konkrete Kohlkultur und für nichtberufliche Anwender zugelassen sind. Das prüfst du vor dem Kauf anhand der Gebrauchsanleitung und der BVL-Datenbank, auch bei Mitteln, die als biologisch beworben werden. Halte dich genau an die Gebrauchsanleitung, trage Schutzkleidung, beachte die Wartezeit bis zur Ernte und entsorge Reste vorschriftsgemäß. Ein Mittel kann auch die Nützlinge treffen, die du vorher ins Beet geholt hast.
Vor der Pflanzung wählst du eine Fläche, auf der seit 5 Jahren keine Kreuzblütler standen, und lässt den Boden-pH messen. Beim Pflanzen kommen Kragen um den Wurzelhals und das Netz mit 0,8 mm Maschenweite. Während der Kultur kontrollierst du Herz und Blattunterseiten, entfernst Raupen und Läusekolonien und gießt morgens bodennah. Nach der Ernte kommen Pflanzen mit Kohlhernie samt Wurzeln in den Restmüll. Pflanzen mit Kohlmottenschildläusen bleiben nicht bis zum Frühjahr stehen, weil sie dem Schädling als Winterquartier dienen.
Wie du Blumenkohl von der Aussaat bis zur Ernte anbaust, liest du im Anbau-Ratgeber. Gießen, Düngen und Kopfprobleme behandelt der Beitrag zur Pflege von Blumenkohl in jeder Wachstumsphase. Für Rosenkohl gibt es einen eigenen Beitrag darüber, wie du Rosenkohl vorbeugend schützt.





