Stangensellerie anbauen: Vorkultur, Pflanzung, Bleichen und knackige Ernte
- Stangensellerie braucht bis zur Pflanzung etwa 8 Wochen Vorkultur im Haus.
- Gepflanzt wird mit 30 cm Abstand in der Reihe und 40 cm zwischen den Reihen.
- Mehrere Tage unter 4 °C erhöhen das Risiko, dass Stangensellerie vorzeitig schosst.
- Zum Bleichen bindest du die Stiele etwa 3 Wochen vor der Ernte zusammen und umwickelst sie mit Wellpappe oder schwarzer Folie.
- Von der Pflanzung bis zur Ernte vergehen im Hausgarten etwa 12 Wochen.

Stangensellerie verlangt vor allem einen guten Zeitplan. Die Jungpflanzen stehen lange in der Anzuchtschale. Nach dem Auspflanzen erhöhen kalte Tage das Risiko, dass sie schossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen.. Und wer helle Stangen möchte, muss rechtzeitig mit dem Bleichen beginnen. Ich plane meine Selleriesaison deshalb vom Pflanztag aus: Von dort rechne ich rückwärts zur Aussaat und vorwärts zu Bleichen und Ernte.
Hier findest du den ganzen Weg bis zur knackigen Stange. Aussaat und Anzucht fasse ich kurz zusammen, ausführlich wird es bei Pflanzung, Pflege, Bleichen und Ernte.
Stangensellerie und Knollensellerie gehören zur selben Art, dem Echten Sellerie (Apium graveolens). Beim Stangensellerie erntest du die Blattstiele, beim Knollensellerie die Knolle. Wenn du lieber die Knolle ziehen möchtest, findest du eine eigene Anleitung, wie du Knollensellerie auf der Fensterbank vorziehst.
Stangensellerie anbauen: der Fahrplan auf einen Blick
Die Tabelle zeigt die Richtwerte für Stangensellerie von der Vorkultur bis zur Ernte. Deine Termine kannst du in einen ausdruckbaren Saatkalender für deine Wurzelgemüse-Arten übertragen.
| Schritt | Richtwert für Stangensellerie |
|---|---|
| Vorkultur im Haus | etwa 8 Wochen bis zur Pflanzung |
| Pflanzung ins Beet | je nach Anbauverfahren Mitte März bis Mitte Juli, im April nur mit Vlies oder Folie |
| Abstand | 30 cm in der Reihe, 40 cm zwischen den Reihen, Einzelpflanzen, die du zum Bleichen zusammenbindest |
| Grunddüngung vor der Pflanzung | 3 l Kompost und 100 g Hornmehl je m², bei optimalem Phosphor- und Kaliumgehalt |
| Bleichen | Stiele etwa 3 Wochen vor der Ernte zusammenbinden und einpacken |
| Ernte | etwa 12 Wochen nach der Pflanzung |
| Stangenlänge zur Ernte | gebleicht etwa 25 bis 35 cm |
Empfehlungen für den Garten
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Die Samen benötigen Licht zum Keimen.
Aussaat und Anzucht im Kurzüberblick
Stangensellerie ziehst du im Haus in Saatschalen mit Aussaaterde vor. Die Samen bedeckst du nur hauchdünn mit Erde oder Sand, weil Sellerie ein Lichtkeimer ist. Wann du bei dir startest und wie du die Schale ansetzt, erklärt der Beitrag, wann und wie du Stangensellerie aussäst.
Zum Keimen stellst du die Schale warm, bei etwa 20 °C. Nach dem Auflaufen pikierst du die Keimlinge und ziehst sie bei etwa 16 °C weiter, möglichst ohne große Schwankungen zwischen Tag und Nacht. Alle Handgriffe vom Pikieren bis zum AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. zeigt die Anleitung, wie du Stangensellerie vorziehst, pikierst und abhärtest.
Beet vorbereiten: Standort, Boden und Grunddüngung
Standort und Boden
Sellerie wächst sonnig bis halbschattig und braucht einen Boden, der zuverlässig feucht bleibt. Für Sellerie im Erwerbsanbau gilt ein Boden-pHDer Boden-pH-Wert beschreibt, ob ein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Er beeinflusst die Tätigkeit der Bodenorganismen und zeigt, ob ein Gartenboden eine Kalkgabe braucht. von 6 bis 7,5. Die Grundlagen zu Bodenpflege, Wasser und Nährstoffen findest du im Wurzelgemüse-Überblick mit den Abschnitten zu Standort, Boden, Gießen und Düngen.
Grunddüngung vor der Pflanzung
Sellerie gehört zu den Kulturen mit hohem Stickstoffbedarf, trotzdem liegt der Schwerpunkt der Düngung vor der Pflanzung. Zeigt deine Bodenuntersuchung optimale Phosphor- und Kaliumwerte, gibst du vorher Kompost und Hornmehl, die Mengen je m² stehen im Fahrplan. Auf so vorbereitetem Boden ist meist keine weitere Düngung nötig, nur auf armen Böden kann nach dem Anwachsen im Sommer eine leichte organische Stickstoffgabe folgen.
Auspflanzen: wann, wie weit und wie tief?
Der richtige Zeitpunkt
Je nach Anbauverfahren kannst du Stangensellerie von Mitte März bis Mitte Juli pflanzen. Pflanzungen im April brauchen eine Abdeckung aus Vlies oder Folie. Ab Anfang Mai ist normalerweise keine Abdeckung mehr nötig, in kühlen Lagen richtest du dich trotzdem nach dem Wetter. Vorher härtest du die Jungpflanzen schrittweise ab, indem sie bei gutem Wetter zunächst zeitweise geschützt draußen stehen.
Kälte ist beim Stangensellerie heikel: Mehrere Tage unter 4 °C erhöhen das Risiko, dass er vorzeitig schosst, also einen Blütenstängel bildet. Ich schaue deshalb vor dem Pflanztag auf die Vorhersage für die nächsten Tage und setze erst, wenn keine Kälteperiode angesagt ist.
Abstand und Pflanztiefe
Setze Stangensellerie mit 30 cm Abstand in der Reihe. Zwischen den Reihen lässt du 40 cm frei. Die Pflanzen stehen einzeln, zum Bleichen bindest du später jede für sich zusammen. Auch wenn du Mischkulturpartner dazusetzt, rückst du die Reihen nicht enger, denn jede Pflanze braucht Platz für ihre endgültige Größe.
Beim Setzen zählt die Höhe. Pflanze Stangensellerie so flach, dass der Vegetationskegel frei bleibt. Das ist der Wachstumspunkt im Herzen der Pflanze, aus dem die neuen Blätter kommen. Ich setze den Ballen deshalb knapp in die Erde, drücke ihn seitlich an und gieße an.
Pflege im Sommer: feucht halten, mulchen, hacken
Halte Sellerie gleichmäßig feucht. Eine Bodenbedeckung aus Grasschnitt, Ernteresten oder Stroh vermindert die Verdunstung und hält die Oberfläche offen für Regenwasser. Ich nehme dafür meist Grasschnitt und lege ihn nach dem Anwachsen zwischen die Reihen. Wie viel Wasser je Gießgang sinnvoll ist und warum du langsam gießt, erklärt der Wurzelgemüse-Überblick im Abschnitt Gießen. Ich gieße an den Boden und nicht über das Laub, weil lange BlattnässeBlattnässe ist Wasser, das als Film oder Tropfen auf den Blättern steht, etwa nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter. Hält sie länger an, können Pilzerreger die Blätter leichter infizieren. Blattflecken begünstigt.
Hacken und Beikraut
Im Selleriebeet hacke ich nur flach und vorsichtig. BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. zwischen den Pflanzen ziehe ich von Hand. Einen regelmäßigen Rückschnitt braucht Sellerie nicht.
Im Kübel oder Hochbeet
Sellerie lässt sich auch im Hochbeet, Kübel oder Topf ziehen. Ein größeres Gefäß speichert mehr Wasser, und vor dem Gießen prüfst du die Feuchte mit dem Finger auch unter der Oberfläche. Im Topf gibst du den Sommer über alle zwei Wochen einen ausgewogenen Flüssigdünger.
Ist der Boden unter der Mulchdecke noch feucht? Zeigen die Blätter Flecken oder breite Fraßminen? Sitzen Schnecken an den Pflanzen? Steht der Bleichtermin schon im Kalender?
Stangensellerie bleichen: wann und wie?
Bleichen ist beim Stangensellerie ein zusätzlicher Arbeitsschritt, kein Muss. Unter der Hülle bekommen die Stiele kein Licht und bleiben hell.
Die Ernte steht etwa 12 Wochen nach der Pflanzung an. Mit dem Bleichen beginnst du etwa 3 Wochen davor. Dein Bleichtermin hängt also direkt am Pflanztag, und wer diesen notiert, muss später nicht schätzen.
So gehst du vor: Binde die Stiele einer Pflanze zusammen. Umwickle sie danach mit Wellpappe oder schwarzer Folie, das Laub schaut oben aus der Hülle heraus. Nimm die Hülle erst zur Ernte wieder ab.
Ich binde die Stiele mit weichem Band locker zusammen, bevor die Wellpappe herumkommt. Die Pappe schneide ich so zu, dass sie vom Boden bis knapp unter die Blätter reicht. Festgehalten wird sie mit einem zweiten Band.
Blattflecken und Fraßminen: worauf du achtest
Lange Blattnässe und Temperaturen über 20 °C begünstigen Septoria-Blattflecken an Sellerie. Zur Vorbeugung vermeidest du Blattnässephasen von über 70 Stunden, eine Garantie gegen Befall ist kürzere Nässe aber nicht. Stell die Pflanzen so, dass das Laub nach Regen rasch abtrocknet, und wähle widerstandsfähige Sorten. Breite Fraßminen in den Blättern können auf Larven der Selleriefliege hindeuten. Wie du Schadbilder einordnest und gegensteuerst, liest du im Beitrag, welche Krankheiten und Schädlinge Stangensellerie treffen.
Ernte: Wann sind die Stangen reif?
Den Erntetermin kennst du schon aus deinem Bleichplan. Ob die Pflanze so weit ist, zeigt dir zusätzlich die Länge der Stangen.
Zur Ernte sollten gebleichte Stangen etwa 25 bis 35 cm lang sein.
Ich schneide die ganze Pflanze mit einem scharfen Messer knapp über dem Boden ab und nehme die Wellpappe erst danach herunter. Sellerie ist nicht winterhart, deshalb holst du die letzten Pflanzen vor dem Winter aus dem Beet. Die Erntezeit für Sellerie reicht von Juli bis November.
Lagern: Stangensellerie hält nicht lange
Selbst im professionellen Kühllager bei 0 bis 1 °C bleibt Stangensellerie nur begrenzt frisch. Dort hält er etwa 2 bis 3 Wochen, für den Kühlschrank zu Hause ist das keine Zusage. Weil die Stangen so kurz lagern und die Pflanzung über ein langes Zeitfenster möglich ist, pflanze ich lieber in mehreren Sätzen als alles auf einmal.
Fruchtfolge und Mischkultur: wo Sellerie hinpasst
Für die Fruchtfolge zählt Sellerie wie Möhre und Pastinake zu den DoldenblütlernDoldenblütler (Apiaceae) sind eine Pflanzenfamilie, deren Blüten meist in Doppeldolden, seltener in einfachen Dolden stehen. Dazu gehören Nutzpflanzen wie Möhre, Petersilie, Sellerie, Dill und Kümmel, aber auch tödlich giftige Wildpflanzen wie Schierling.. Plane für Sellerie als lange stehende HauptkulturDie Hauptkultur ist die Gemüseart, die im Gartenjahr am längsten auf einem Beet steht, zum Beispiel Tomaten. Nach ihr richtet sich die Beetplanung: Vor-, Nach- und Zwischenkulturen werden um sie herum eingeplant. eine Anbaupause von 3 Jahren innerhalb dieser Familie ein. Als VorfruchtDie Vorfrucht ist die Kultur, die vor der aktuellen Kultur auf derselben Fläche stand, in der Fruchtfolge meist im Vorjahr. Sie kann Boden, Nährstoffe und Krankheitsdruck für die nachfolgende Kultur positiv oder negativ beeinflussen. für Pastinaken meidest du Sellerie und die anderen Doldenblütler. Ein rechtzeitig abgeerntetes Salatbeet kann dagegen anschließend Sellerie für die Herbsternte aufnehmen. Damit du über die Jahre den Überblick behältst, planst du die Fruchtfolge im Beetplaner.
Als bewährte Nachbarn für Sellerie gelten Tomaten, Gurken, Blumenkohl und weitere Kohlarten. Günstige Nachbarschaftseffekte sind allerdings schwer nachzuweisen, und Erfahrungsberichte widersprechen sich häufig. Mischkultur ergänzt die Beetplanung, garantieren kann sie nichts. Welche Kombinationen zu deinem Beet passen, prüfst du im Mischkultur-Planer.
Nach der Ernte: Nährwerte und Küche
Für rohen Bleichsellerie, also Stangensellerie, gelten je 100 g essbaren Anteil diese Tabellenwerte:
| Nährwert | Bleichsellerie, roh, je 100 g essbarer Anteil |
|---|---|
| Energie | 17 kcal |
| Ballaststoffe | 2,553 g |
| Kalium | 281 mg |
Sellerie kann Lebensmittelallergien auslösen. Wird er als Zutat verwendet, muss er allergenbezogen gekennzeichnet werden.
Wenn deine Ernte größer ausfällt, zeigt dir der Beitrag, wie du aus Stangensellerie knusprige Chips machst.


